Dr. Tom Poljanšek


Motti:

„Und ich sage weiter hinsichtlich der Methode, der Horizonte, der Arbeitsfelder der Ideen das eine Wort: Siehe!“ – Edmund Husserl 1919 in einem Brief an Arnold Metzger

„If you know, you know.” – Pusha T

Phänomenologie, Kultur- und Technikphilosophie, Ästhetik, Ontologie

Mein aktuelles Habilitationsprojekt „Vom Zusammenhängen der Erfahrung. Eine Philosophie der Situation“ (Arbeitstitel) befasst sich aus phänomenologisch-anthropologischer Perspektive mit der spezifischen Situiertheit der menschlichen Erfahrung. Kernziel ist die systematische Explikation der Begriffe „Situation“ und „Kontext“ als grundlegende Einheiten menschlicher Erfahrung und Kognition. Das Projekt widmet sich der Aufgabe zu erklären, wie und inwiefern Situationen und Kontexte menschliches Denken, Wahrnehmen und Handeln grundlegend strukturieren. Weiterhin gliedert es sich in drei Teilprojekte:

  • Die Entwicklung einer „Phänomenologie der Immersion“ im Ausgang und in Abhebung von medientheoretischen und kulturwissenschaftlichen Diskussionen dieses Begriffs. Immersion, verstanden als das erlebte Involviertsein in Situationen und Kontexte verschiedener Art, soll dabei als ein grundlegendes anthropologisches Phänomen beschrieben werden. Die Kernthese dieses Teilprojekts lässt sich in dem Slogan zusammenfassen: Der Mensch erlebt nicht Immersion, weil es Medien gibt. Vielmehr gibt es Medien, weil der Mensch ein grundsätzlich immersionsaffines Wesen ist.
  • Das Teilprojekt „Ways of Making Sense“ widmet sich in Anlehnung an Husserls Konzeption von „Einstimmigkeit“ in der Erfahrung der Ausarbeitung einer „Typologie nicht-inferentieller Formen menschlicher Einstimmigkeitserfahrung“. Wie die aufeinanderfolgenden Töne einer Melodie kann der Mensch verschiedenste Folgen und Zusammenhänge von Elementen als einstimmig zusammenhängend (oder als unzusammenhängend, unstimmig) erleben. Exemplarisch ist hier an ästhetische, soziale oder religiöse Formen von Einstimmigkeitserfahrung zu denken.
  • Eine phänomenologisch-zeitdiagnostische Analyse eines Phänomens, das sich angesichts der medialen Situation der Gegenwart als „Verlust der Erfahrung des ‘Offenen’“ beschreiben lässt. Hier soll in Auseinandersetzung mit literarischen Phänomenbeschreibungen (etwa bei Rilke und Musil) und in Kontrastierung zu Heideggers phänomenologischen Analysen der Langeweile ein positiver Begriff der Erfahrung des „Offenen“ entwickelt und seine existenziellen und kritischen Potentiale ausgelotet werden. Ausgangspunkt ist dabei die zu prüfende These, dass unsere gegenwärtige mediale Situation mehr und mehr durch ein (meist technisch-medial vermitteltes) Entgegenkommen potenziell involvierender Situationen und Zusammenhänge geprägt ist, die eine Erfahrung des “Offenen” zunehmend erschweren.


Seit 04/2019: Postdoc und Assistent der Professur mit dem Schwerpunkt Theoretische Philosophie der Georg-August-Universität Göttingen. Habilitationsprojekt zum Thema „Vom Zusammenhängen der Erfahrung. Eine Philosophie der Situation“.

04/2019 – 10/2023: Lehrbeauftragter an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

02/2019: Verteidigung der Promotion mit dem Titel „Realität und Wirklichkeit. Zur Ontologie geteilter Welten“, betreut von Prof. Dr. Catrin Misselhorn (damals Uni Stuttgart) und Prof. Barry Smith (University of Buffalo). Gesamturteil: Summa cum laude.

04/2017 – 09/2019: Lehrbeauftragter an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim Design PF.

03/2013 – 12/2018: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Stuttgart. Promotion im Rahmen des Exzellenzclusters SimTech zum Thema „Kollektives Handeln und Soziale Simulation“.

01/2013: Magisterabschluss in Philosophie und Neuere Deutsche Literatur (beide Hauptfach) mit einer Magisterarbeit zum Thema „Die Gegenstände der Wissenschaft. Versuch einer systematischen Analyse des Verhältnisses von Alltagswissen und wissenschaftlicher Erkenntnis anhand der Philosophie Gaston Bachelards“.

2004 – 2013: Studium der Philosophie, NDL, Mathematik und Soziologie in Tübingen und Ljubljana (Slowenien).

Veröffentlichungen


  • Realität und Wirklichkeit. Zur Ontologie geteilter Welten. (Open Access) Bielefeld: Transcript, 2022.


  • Daniel Neumann, Tom Poljanšek (Hg.): Non- and Pre-Conceptual Content in Experience. Thematische Sonderausgabe der Phänomenologischen Forschungen. 2025/2. [In Vorbereitung].
  • Catrin Misselhorn, Tom Poljanšek, Tobias Störzinger, Maike Klein (Hg.): Emotional Machines. Perspectives from Affective Computing and Emotional Human-Machine Interaction, Wiesbaden: Springer VS, 2023.


  • “Pre-ceiving the Imminent. Emotions-had, Emotions-perceived and Gibsonian Affordances for Emotion Perception in Social Robots”. In: Catrin Misselhorn, Tom Poljanšek, Tobias Störzinger, Maike Klein (Hg.): Emotional Machines, Wiesbaden: Springer VS, 2023, S. 83–110.
  • “Co-Immersions. Toward a Political Conception of Immersivity” (gemeinsam mit Laura Katharina Mücke). In: Jocopo Bodini, Allesandro De Cesaris (Hg.): Immersivity. Philosophical Perspectives on Technologically Mediated Experience. Azimuth. Philosophical Coordinates in Modern and Contemporary Age. Issue 20, 2 (2022), S. 181–196.
  • “Robot Rulez!? Creative Shifts, Normalization and Reciprocal Recognition as Problems for Robotic Social Practices” (gemeinsam mit Tobias Störzinger). In: R. Hakli et al. (Hg.): Social Robots in Social Institutions. IOS Press, 2022, S. 335–343.
  • “You can Love a Robot, but Should You Fight With it? Perspectives on Expectation, Predictability, Trust, and the Usefulness of Disappointment in Human-Machine Interaction” (gemeinsam mit Jacqueline Bellon). In: Janina Loh, Wulf Loh (Hg.): Social Robotics and the Good Life, Bielefeld: transcript, 2022, S. 129–157.
  • „Nie ganz bei den Sachen. Zur Phänomenologie der Immersion“. In: Christian L. Grabbe & Oliver Ruf (Hg.): Technikästhetik, Bielefeld: Transcript, 2022.
  • „Seeing Ghosts. Apperception, Accordance, and the Mode of Living Presence in Perception“. In: Thiemo Breyer, Rodrigo Sandoval, Marco Cavallaro (Hg.): Phenomenology of Phantasy and Emotions, Darmstadt: WBG, 2022, S. 145–181.
  • „Angemessen ist, was als angemessen passiert. Eine opportunistische Theorie sozialer Angemessenheit“. In: Jacqueline Bellon, Bruno Gransche, Sebastian Nähr-Wagener (Hg.): Soziale Angemessenheit. Forschung zu Kulturtechniken des Verhaltens, Wiesbaden: Springer VS, 2022.
  • (gemeinsam mit Tobias Störzinger) „Of Waiters, Robots, and Friends. Functional Social Interaction vs. Close Interhuman Relationships“. In: Nørskov, M. et al (Hg.): Culturally Sustainable Social Robotics, Amsterdam: IOS Press, 2020, S. 68–77.
  • „A Philosophical Framework of Shared Worlds and Cultural Significance for Social Simulation“. In: H. Verhagen et al. (Hg.): Advances in Social Simulation. Springer Proceedings in Complexity (2020), URL: https://doi.org/10.1007/978-3-030-34127-5_36.
  • „Die Vorstrukturierung des Möglichen. Latenz und Technisierung“ In: Alexander Friedrich, Petra Gehring, Christoph Hubig et al. (Hrg.): Jahrbuch Technikphilosophie 2017. Technisches Nichtwissen, Baden-Baden: Nomos 2017, S.17-40.
  • „Genauigkeit und Seele. Kritik des philosophischen Erkenntnisanspruchs nach Robert Musil und Paul Valéry.“ In: Sebastian Hüsch, Sikander Singh (Hrg.): Literatur als philosophisches Erkenntnismodell, Tübingen: Narr 2016, S.236-251.
  • „Beruhigen und Befremden – Zwei Tendenzen in Kunst und Philosophie.“ In: Werner Fitzner (ed.): Kunst und Fremderfahrung, Bielefeld: Transcript 2016, S.97-118.
  • „Sinn und Erwartung – Über den Unterschied von Sinngegenständlichkeit und Referenzialität.“ In: Zeitschrift für philosophische Forschung 4.2015 (69), S.502-524.
  • “Choosing Appropriate Paradigmatic Examples for Understanding Collective Agency.” In: Catrin Misselhorn (Hrg.): Collective Agency and Cooperation in Natural and Artificial Systems, New York, London: Springer 2015, S.185-204.
  • „Kritisieren heißt Filtrieren – Eine Kritik kritischer Praxis in sozialen Netzwerken.“ In: Juridikum. Zeitschrift für Kritik - Recht - Gesellschaft. Schwerpunkt "Internet und Freiheit" 4.2014, S.483-493.
  • „Für einen pluralistischen Begriff gemeinsamen Handelns.“ In: Online Conference Proceedings der XXIII. Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Philosophie (DGPhil) in Münster, 2014.
  • „Benutzeroberflächen – Techniken der Verhüllung des Technischen.“ In: Ute Seiderer, Michael Fisch (Hrg.): Haut und Hülle. Umschlag und Verpackung. Techniken des Umschließens und Verkleidens, Berlin: Rotbuch 2014, S.102-117.
  • „Philosophie und Literatur – Zwei entfernte Verwandte?“ In: Klaus Birnstiel, Erik Schilling (Hrg.): Literatur und Theorie seit der Postmoderne. Mit einem Nachwort von Hans Ulrich Gumbrecht, Stuttgart: Hirzel 2012, S.27-40. Review: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=18539
  • „Wissen und Zaubern an der Oberfläche“ In: Suzana Alpsancar, Kai Denker (Hrg.): Tagungsband der Nachwuchstagungen für Junge Philosophie in Darmstadt, Marburg: Tectum 2011, S.169-186.
  • „Von echten und unechten Philosophen, Realness und Rap“ In: Thomas Hecken, Marcel Wrzesinski (Hrg.): Philosophie und Popkultur, Bochum: Posth 2010, S.49-64.
  • „‘Just cause you feel it, doesn’t mean it’s there‘ – Ein angemessenes Angemessenheitskriterium für Gründe und Werteigenschaften”. Online conference proceedings der DGPhil „Welt der Gründe“ Konferenz 2011.
  • (gemeinsam mit Anita Bendel, Svenja Borchers, Jan Halmazña und Katharina Stegen) „Autobiographische Erinnerung und Identität in der Moderne” In: Dirk Evers, Niels Weidtmann (Hrg.): Konstruktion und Wirklichkeit, Berlin: LIT 2011, S.157-222.