E-Portfolios in der Lehre

Ein E-Portfolio ist eine netzbasierte Sammlung von digitalen Dokumenten, die den Lernprozess und Kompetenzen von Studierenden widerspiegelt. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei nicht auf der Präsentation von fertigen Lernprodukten, sondern auf der Reflexion der individuellen Lernwege und Arbeitsabläufe, die zu den jeweiligen Ergebnissen geführt haben. In technischer Umsetzung lässt sich das E-Portfolio als eine Art persönliche Webseite vorstellen, auf der die Studierenden den eigenen Bildungsweg dokumentieren, darüber nachdenken und über die eingepflegten Materialien die erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen ausweisen.

Warum E-Portfolios einsetzen?
E-Portfolios ermöglichen das Festhalten und Präsentieren studentischer Leistungen auf verschiedenen Ebenen. Diese strukturierte und jederzeit abrufbare Dokumentation gibt eine schnelle und präzise Auskunft über die Kompetenzen.

Die Arbeit an einem E-Portfolio fördert das selbstgesteuerte Lernen. Da ein E-Portfolio über einen längeren Zeitraum entwickelt wird, üben die Lernenden damit, ihre Arbeitsabläufe und Lernwege zu planen und zu organisieren.

Ein wichtiger Bestandteil der Portfolioarbeit ist die Reflexion des Lernprozesses und dessen Ergebnisse. Reflektieren die Studierenden ihre Arbeit und berücksichtigen dabei sowohl die Fortschritte als auch Fehler und Stolpersteine, so werden sie sich ihrer Stärken und Schwächen bewusster, erkennen ihren Kompetenzzuwachs besser und lernen aus den gemachten Erfahrungen für die Zukunft.

Die Studierenden erhalten Rückmeldung zu ihren Portfolios nicht erst am Ende, sondern regelmäßig in verschiedenen Arbeitsphasen. Sehr oft wird dafür das Peer-to-Peer-Feedback eingesetzt, bei dem die Studierenden gegenseitig ihre Portfolioinhalte anschauen und diese kommentieren. Durch die Auseinandersetzung mit Bewertungskriterien sowie Selbst- und Fremdbewertung lernen sie, mit Kritik umzugehen und konstruktive Kritik zu erteilen.

Wie setze ich E-Portfolios ein?
E-Portfolios können veranstaltungs-, fächer- und sogar studienbegleitend eingesetzt werden. Darüber hinaus kann man sie auch als Voraussetzung für die Notenvergabe oder als direkten Leistungsnachweis nutzen. Studierende können mit Hilfe eines E-Portfolios auch kursunabhängig ihren Lernprozess strukturieren und reflektieren.

E-Portfolios sind geeignet für ….
…die Dokumentation und Reflexion des eigenen Lernprozesses über ein oder mehrere Semester. (Reflexionsportfolio)

…die Präsentation der erstellten Artefakte und des eigenen Kompetenzprofils gegenüber Dritten. (Präsentationsportfolio)

…die Dokumentation und Reflexion eigener Entwicklung in- und außerhalb der institutionellen Bildung in Hinsicht auf die zukünftige berufliche Laufbahn. (Entwicklungsportfolio)

Welche Stolpersteine gibt es?
Wie bei jedem digitalen Lernwerkzeug setzt auch das E-Portfolio gewisse technische Fähigkeiten voraus. Zwecks einer effizienten Portfolioarbeit müssen die Studierenden mit der E-Portfolio-Software vertraut gemacht und im Umgang damit geschult werden.

Eine Schwierigkeit kann auch in der Festlegung der Rahmenbedingungen für die Portfolioarbeit bestehen. Machen Lehrende zu viele Vorgaben, so besteht die Gefahr, dass die Studierenden von der Selbstreflexion absehen und sich hauptsächlich den vorgegebenen Richtlinien anpassen. Zu viel Autonomie kann hingegen überfordern, zumal die Studierenden von ihrem Schulkontext her an klare Instruktionen bezüglich der zu erledigenden Aufgaben gewöhnt sind. Um beide Extremen zu vermeiden, ist eine entsprechende Anleitung und Begleitung der E-Portfolioarbeit durch Lehrende - vor allem in der Anfangsphase – nötig.

Die Arbeit an einem E-Portfolio dauert oft mehrere Monate. Da die Studierenden oft über keine Erfahrung mit ähnlichen Arbeitsformen verfügen, fällt es ihnen anfangs nicht leicht, den Mehrwert der Portfolioarbeit zu verstehen und sich zu regelmäßigen Pflege der Inhalte zu motivieren. Eine durchgängige Betreuung ist von großer Bedeutung.

Wie erstelle ich ein E-Portfolio? / Wo bekomme ich Hilfe?
Für die Portfolioarbeit stehen Ihnen an der Universität Göttingen zwei Software-Lösungen zur Verfügung: ILIAS und Mahara.

Das ILIAS-Portfolio ist im Stud.IP integriert und mit einer Lehrveranstaltung verknüpft. Die Studierenden können sich mit ihren gewohnten Zugangsdaten anmelden und so ihre Portfolios bearbeiten. Das erstellte E-Portfolio kann als eine eigenständige HTML-Datei importiert werden. Sowohl das Peer Feedback als auch Gruppenportfolios sind möglich. Die Studierenden können selbst bestimmen, wann und an wen sie ihr E-Portfolio freigeben. Die Einreichung erfolgt ebenso in ILIAS, und zwar in Form einer ZIP-Datei.

Mahara-Portfolios werden auf unserer eigenständigen Mahara-Plattform erstellt. Die fertigen E-Portfolios können als PDF exportiert oder als eigenständige Webseiten dargestellt werden. Das System ermöglicht, genauso wie ILIAS, Peer-Feedback und Gruppenarbeit sowie die differenzierte Freigabe der Portfolioansichten. Mahara ist sehr flexibel und unterstützt die kreative Portfoliogestaltung.

Auf Anfrage bieten wir Ihnen gern eine individuelle Beratung und Schulung zu Ihren Fragen rund um das E-Portfolio.

Quellen:
Bauer, Reinhard / Baumgartner, Peter (2012): Schaufenster des Lernens. Eine Sammlung von Mustern zur Arbeit mit E-Portfolios. Münster: Waxmann Verlag.
e-teaching.org (2015): E-Portfolio. https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/pruefung/pruefungsform/eportfolio, online am 18.02.2019.
Hornung-Prähauser, Veronika / Dr. Geser, Guntram / Hilzensauer, Wolf / Schaffert, Sandra (2007): Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Salzburg: Salzburg Research Forschungsgesellschaft im Auftrag des Forum Neue Medien in der Lehre Austria / fnm-austria.