Vom Netzwerk zum Zentrum für Globale Migrationsstudien


Migration prägt wie kaum ein anderes soziales Phänomen die Gesellschaften weltweit. Sie wird auch wie kaum ein anderes soziales Phänomen äußerst kontrovers diskutiert und polarisiert gegenwärtig im hohen Maße die Bevölkerungen. Gerade angesichts dieser Herausforderungen ist die gesellschaftliche und politische Nachfrage nach wissenschaftlich fundierter Expertise groß.


2015, nach der sogenannten europäischen „Flüchtlingskrise“ schlossen sich Migrationswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des Göttingen Campus daher zum Netzwerk für Globale Migrationsstudien zusammen. Das Netzwerk hat zum Ziel die regionalwissenschaftlichen und interdisziplinären Expertisen im Bereich der Migrations- und Fluchtforschung am Göttingen Campus miteinander in einen nachhaltigen Dialog zu bringen, um ein komplexes analytisches Verständnis von globalen Migrationsprozessen zu gewinnen. Auf Initiative des Netzwerkes wurde am 14.06.2018 das interfakultäre Zentrum für Globale Migrationsstudien (Centre for Global Migration Studies, CeMig) gegründet.


Über das Zentrum für Globale Migrationsstudien

Zwei unserer Gründungsmitglieder, Prof. Dr. Sabine Hess und Prof. Dr. Anja Jetschke, stellten das CeMig, seine Ausrichtung und Aktivitäten, auf der Eröffnungskonferenz “Migration as a Global Challenge: Interdisciplinary Perspectives on a Complex Field” vom 21.-23. Juni 2018 vor:





Das CeMig ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von MigrationsforscherInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen unterschiedlichster Disziplinen - von der Agrarökonomie bis hin zur Religionssoziologie - am Göttingen Campus. Am CeMig beteiligt sind:


  • Fakultät für Agrarwissenschaften
  • Juristische Fakultät
  • Philosophische Fakultät
  • Sozialwissenschaftliche Fakultät
  • Theologische Fakultät
  • Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
  • Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften


Gerade in dieser Vielfalt von fachlichen und methodischen Zugängen zur Migrationsforschung besteht eine wesentliche Stärke der am Göttingen Campus vorhandenen regionalwissenschaftlichen und thematischen Expertisen, die es möglich machen, den gesamten Migrationsverlauf in den analytischen Blick zu nehmen. Somit werden die politischen, sozialen und ökonomischen Kontexte in den Herkunfts-, Transit- und Aufnahmeländern mit einbezogen. Das heißt, dass beispielsweise nicht nur Fragen zur Integration im Zielland gestellt werden, sondern auch solche, die den gesamten Migrationsprozess betreffen (z.B. Motivationen zur Migration, Weiterwanderung und Rückkehr, Erfahrungen im Transit, Gestaltung transnationaler Beziehungen).


Eine derartige globale, vergleichende und ganzheitliche Pespektive auf Migration wird nicht nur helfen, den in der Migrationsforschung seit längerem kritisierten methodischen Nationalismus zu vermeiden und Migration wirklich als einen Regionen umspannenden, letztlich unabgeschlossenen Prozess zu betrachten. Auch relativiert sie die mit Migrationsbewegungen häufig verbundene Krisenrhetorik, indem sie etwa die europäische “Flüchtlingskrise” vor dem Hintegrund weltweiter Migrationsbewegungen einordnet.


Aufgaben und Aktivitäten

CeMig Aufgaben Grafik Deutsch

Das CeMig sieht seine wesentliche Aufgabe in der Stärkung der migrationswissenschaftlichen Forschung am Göttingen Campus. Hierzu wird es das breite Feld der Forschungsaktivitäten vernetzen, in einen produktiven Austausch bringen, um so nicht nur innovative Forschungsideen zu generieren, sondern auch die Wahrnehmbarkeit sowohl untereinander als auch nach außen zu stärken. Mittelfristig sollen gemeinsame Forschungsaktivitäten in geeigneten Formaten (z.B. Verbundforschungsprojekten) verstetigt werden.


Darüber hinaus sollen migrationswissenschaftliche Perspektiven und Ansätze in der Lehre zusammengeführt, sichtbarer und zugänglicher gemacht werden, um ein umfassendes interessengeleitetes Studium zum Themenbereich Migration zu ermöglichen. Zudem soll der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert und gestärkt werden (etwa durch Forschungskolloquien, Nachwuchsakademien oder Promotionsprogramme).


Ferner wird das CeMig mit existierenden Forschungsverbünden und Einrichtungen des Göttingen Campus kooperieren und seine Expertisen im Sinne von Querschnittsthemen einbringen. Ebenso wird es sich in bestehende regionale, nationale und internationale Netzwerke der Migrationsforschung einbringen sowie umgekehrt bestehende nationale und internationale Netzwerkkontakte in die hiesigen Aktivitäten einfließen lassen.
Ein besonderes Anliegen ist es dem CeMig, neue Formen des Wissenstransfers, im Sinne der „Third Mission“ zu etablieren. Es ist bestrebt, einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion zu leisten und Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft in die Diskussion einzubeziehen.