Computersicherheit und Privatheit

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Gastvortrag

Herr Jan Tolsdorf M.Sc. (Gruppe für Daten- und Anwendungssicherheit von Prof. Dr.-Ing. Luigi Lo Iacono an der TH Köln): „Das Privacy-Paradoxon – der scheinbare Widerspruch zwischen Bedenken und Verhalten beim Datenschutz“

  • Mittwoch, 27.03.2019 – 13:30 s.t.
  • Institut für Informatik, Seminarraum 0.101


In zahlreichen Untersuchungen zum Verhalten von Nutzern in sozialen Netzwerken und auf Plattformen für den Online-Handel wurde festgestellt, dass häufig eine Vielzahl an persönlichen Informationen für einen scheinbar nur geringen Gegenwert, wie z.B. Vergünstigungen, bereitwillig preisgegeben wird. Gleichzeitig geben Nutzer an, dass ihnen der Schutz ihrer Privatsphäre wichtig ist und äußern Bedenken bezüglich des Schutzes persönlicher Daten in Zeiten der Digitalisierung. Dieser scheinbare Widerspruch zwischen Verhalten und Bedenken oder Ängsten wird allgemein als „Privacy- Paradoxon“ bezeichnet. Letztlich ist jedoch bisher ungeklärt, ob diese Dichotomie tatsächlich ein Paradoxon darstellt oder nur als Phänomen für ein unzureichendes Verständnis für die Entscheidungsfindung von Nutzern und deren wahren Beweggründe im Umgang mit Privatheit verstanden werden muss. So existieren sowohl Studien, welche die Existenz des Privacy-Paradoxons nahelegen und solche die diese in Frage stellen. Erste Metastudien ergaben, dass sowohl der Kontext, die gewählte Forschungsmethode und die zu Grunde gelegte Verhaltenstheorie aus verschiedenen Forschungsbereichen die Ergebnisse beeinflussen und keinen unmittelbaren Vergleich zulassen. Die bloße Unterscheidung zwischen Bedenken und Verhalten scheint zudem unzureichend und feinere Unterteilungen sinnvoll zu sein. Es hat sich gezeigt, dass Faktoren wie die Absicht zum Schutz der Privatsphäre, die Bereitschaft zur Offenlegung von Daten, sowie den Einstellungen und Bedenken zum Datenschutz angemessene Prädiktoren für das Verhalten von Nutzern darstellen. Auch das „Privacy Calculus“ Modell hat sich als Erklärungsversuch für das Verhalten von Nutzern teilweise bewährt. Die Herausforderungen zukünftiger Forschung liegen somit in Studienkonzepten die eine kontextfreie Vergleichbarkeit zulassen und auf umfassenden theoretischen Modellen basieren. Die Dichotomie von Einstellungen und Verhalten zur Privatheit wurde bisher fast ausschließlich in einer kundenorientierten Beziehung erforscht und es ist offen, ob das Phänomen „Privacy-Paradoxon“ auch in anderen Beziehungsgebilden wie dem Arbeitnehmerkontext auftritt und ob vermeintlich bewährte Modelle auch weiterhin Bestand haben.

Im Vortrag wird der zuvor aufgezeigte Stand der Forschung zusammenfassend dargelegt und erste Studienansätze für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungsgebilde vorgestellt.


Über den Vortragenden:

Jan Tolsdorf studierte Medientechnologie an der TH Köln und erwarb dort die Abschlüsse B.Sc. und M.Sc. Nach seiner Tätigkeit als Softwareentwickler für Web-, Audio- und Videotechnologien, wechselte er 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Gruppe für Daten- und Anwendungssicherheit von Prof. Dr.-Ing. Luigi Lo Iacono an der TH Köln. Dort forscht er an Themen im Bereich Usable Security & Privacy. Seine Forschungsinteressen sind Werkzeuge zur Verbesserung des Verständnisses und der Anwendung von Technologien für eine erhöhte Sicherheit im Bereich der mobilen Anwendungen und der E-Mail-Kommunikation. Aktuell ist er im Projekt „TrUSD“ tätig, in welchem ein Privacy-Dashboard-Rahmenwerk zur Stärkung der informationellen Selbstbestimmung und Privatsphäre am Arbeitsplatz entwickelt wird. In diesem Rahmen fokussiert sich seine Arbeit auf das Phänomen des Privacy-Paradoxons.



Sollten Sie ein Gespräch mit dem Vortragenden wünschen, bitten wir Sie zur besseren Koordination um Rückmeldung an uns (cspoffice@informatik.uni-goettingen.de).